Yalla auf die Straße – Queer bleibt Radikal!

Der CSD in Kreuzberg hat eine lange Geschichte. Seit 19 Jahren zeigen Queers Gesicht, jenseits von Mainstream und Anpassungszwang. Während der „große“ CSD wegen Fußball den historischen Termin verschiebt und sich zu einer Parade der Parteien, Botschaften und sonst so Gay-Friendly Companies entwickelt hat, ist der Kreuzberger CSD bei seinen Kernthemen geblieben: Gegen Verdrängung, Ausbeutung, Abschottung, Abschiebung; gegen Heteronormativität und Sexismus, gegen jeglichen Rassismus und Antisemitismus und immer wieder gegen die  Machtstrukturen und Diskriminierungen in den eigenen queeren Szenen.
Wir gehen heute mit denselben Themen – die unsere sind – auf die Straße. Schon lange, aber immer mehr seit dem Summer of Migration, erleben wir eine massive Instrumentalisierung unserer Kämpfe. Das weniger an Repression der Einen – und auch das ist und bleibt zu viel – soll nun die Repression der Anderen rechtfertigen: Wir sollen uns schützen und beschützt werden gegen sogenannte „nordafrikanische Männer“, gegen vermeintlich muslimische Menschen als allesamt homofeindlich und antidemokratisch, gegen die Feinde sogenannter europäischer Werte.
Nicht nur am rechten Rand oder in der berühmten Mitte der Gesellschaft, sondern direkt am Kotti, in unserem „so linken und alternativen Kiez“, melden sich immer mehr Vertreter*innen dieses Gedankengutes und befüttern täglich die Medien mit rassistischen Schlagzeilen: „Am Kotti ist jeden Tag Köln“. Das Gefahrengebiet Kotti soll bewacht werden mit mehr Polizei und Racial Profiling. Wir wehren uns gegen die Kriminalisierung von Geflüchteten und PoC im Namen von Frauen* und Queers, gegen die Bevormundung und Darstellung von Frauen* und Queers als schutzbedürftige Opfer. Wir lassen unsere politischen Kämpfe nicht ausspielen gegen jene, die an den sogenannten Errungenschaften der westlichen Gesellschaft nicht Anteil haben dürfen, weil sie falscher Herkunft sind, die falschen Sprachen sprechen oder die falschen Pässe haben. Staaten, die jenen mörderischen Krieg gegen Geflüchtete führen, der Tausende von Menschen auf Fluchtrouten, an Grenzzäunen, im Mittelmeer, in Lagern und nach Abschiebungen das Leben kostet, brauchen sich nicht mit Menschenrechten zu schmücken; sie sind Komplizen an der Entrechtung und Verfolgung queerer, politischer und anderer Geflüchteter auch in deren „Herkunftsländern.
Lasst uns zusammen auf die Straße gehen:

– gegen Pinkwashing und Homonationalismus!
– für die bedingungslose Anerkennung aller Geschlechter, Identitäten, Körper und
Familien jenseits der Heteronorm!
– für die vollständige Autonomie über unsere Körper und Zugang zu medizinischer
Versorgung – für Geflüchtete_Trans_Frauen_Inter_mitBeHinderung!
– für das Recht auf vollständige gesellschaftliche Teilhabe und das Recht auf guten bezahlbaren Wohnraum für Alle!

Lasst uns kämpfen für ein selbstbestimmtes, solidarisches Miteinander – im eigenen Kiez und international!
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